Die Netzwerkeffekte des Enterprise 2.0 (Teil I)

15 Dezember 2008 11:12 | Tags: , ,  

Oder vom Spaß des Eisenbahnfahrens

Tim O’Reilly (hier auf dem 2. Dresdner Zukunftsforum) hat seine Web 2.0 Definition noch einmal verkürzt: Sie lautet jetzt sinngemäß, Web 2.0 sind vernetzte Applikationen, die explizit Netzwerkeffekte anwenden und ausnutzen. Da ein Enterprise 2.0 auf dem konsequenten Einsatz von Web 2.0 Technologien und Prinzipien beruht, ist also die Frage berechtigt: Welches sind die Netzwerkeffekte des Enterprise 2.0? Oder noch einfacher:

Was ist denn ein Netzwerkeffekt?

Landläufig verstehen wir darunter, dass je mehr Nutzer oder Knoten einem Netzwerk beitreten, der Wert des Netzwerks steigt. Eisenbahnfahren macht erst dann Spaß, wenn man nicht nur von Nürnberg nach Fürth fahren kann, sondern praktisch jede größere Stadt damit erreichen kann. Welchen Wert hat ein Netzwerk, welches aus N Knoten  besteht?

Überraschenderweise werden darauf verschiedene Antworten gegeben. Die berühmteste Antwort für Kommunikationsnetzwerke stammt von Robert Metcalfe, dem Erfinder des Ethernet: Der Wert des Netzwerks berechnet sich nach (N*(N-1))/2. Das ist die Anzahl aller prinzipiell möglichen Zweier-Verbindungen, also ein quadratischer Netzwerkeffekt (da wir den Term N/2 für große N vernachlässigen können). D. h. ein Netzwerk mit 100 Teilnehmern besitzt einen Wert von (100*99)/2 = 4950, da genau so viele verschiedene Verbindungen (prinzipiell) geschaltet werden können. Fügt man nur einen weiteren Nutzer dem Netzwerk hinzu, steigt der Wert sofort auf 5050, da 100 weitere Verbindungen mit dem neuen Netzwerkteilnehmer erzeugt werden können.  Betrachtet man reale Kommunikationsdienste, z.B. die mobilen Diensteprovider in Deutschland mit ca. 17.000.000 Teilnehmern, so sieht man, dass die Hinzufügung eines Nutzers den Wert des Netzwerks um eben diese 17.000.000 erhöht, obwohl sicher nur eine geringe Zahl aller Nutzer jemals mit dem neuen Teilnehmer in Verbindung tritt. Darauf nimmt Odlyzko Bezug, dessen Argumente wir im nächsten Beitrag untersuchen wollen.

Bis zur Beantwortung unserer Ausgangsfrage: Welches sind die Netzwerkeffekte des Enterprise 2.0 und können wir sie qualitativ und auch quantitativ beschreiben, bleibt uns noch ein Stück Weg zurückzulegen (vorzugsweise mit der Eisenbahn).

lokomotivefunktionen-300x275 Die Netzwerkeffekte des Enterprise 2.0 (Teil I)

Die Wertversprechen des Enterprise 2.0 (Teil I)

15 Dezember 2008 09:12 | Tags: , ,  

Oder warum die Concorde nicht mehr fliegt.

Können wir wissen, ob der Einsatz sozialer Software im Unternehmen und der damit induzierte Übergang zum Unternehmen 2.0 (Enterprise 2.0) einen langfristigen Trend darstellt oder vielleicht nur eine Schwalbe für einen (oder 2) Sommer?

Warum gibt es seit 1972 keine bemannte Mondlandung mehr, warum wird die Concorde nicht mehr betrieben? Die Wertversprechen letzterer beider haben sich erschöpft, der Zeitvorteil von 5 Stunden für einen Transatlantikflug wiegt nicht die Folgekosten für Unterhaltung und die Behandlung der Umweltprobleme auf. Das politische Potential der Mondlandung hat sich (zunächst) erübrigt.

Welches sind die Wertversprechen des Enterprise 2.0? Welche Kosteneinsparungen, welche Produktivitätssteigerungen und ggf. welche grundsätzlich neuen Möglichkeiten können erreicht und gemessen werden? In folgenden Beiträgen werde ich auf diese Frage zurückkommen. Aus einer Studie von McAfee (Business Process Replication and Industry Dynamics) wissen wir nur, dass der verstärkte Einsatz von IT allgemein mit verbesserter Profitabilität von Unternehmen einher geht, aber daraus lässt sich noch keine Begründung für den Erfolg von sozialer Software ableiten.

Selbst ausgezeichnete Wertversprechen haben es manchmal schwer sich durchzusetzen. Märkte und Menschen reagieren fallweise äußerst irrational. Es gibt Wissenschaftler, die sich dem Studium dieser Irrationalitäten und den Gesetzen ihrer Fortpflanzung verschrieben haben, aber das ist schon wieder ein neues und faszinierendes Thema.

die-wertversprechen-des-enterprise2_teil1 Die Wertversprechen des Enterprise 2.0 (Teil I)